Eindrücke in einer heterosexuellen Welt

" Ich liebe Frauen und ich empfinde unsere Gesellschaft wie der Linkshänder die Rechtslastigkeit aller Gegenstände um ihn herum, man passt sich an, aber fühlt sich immer zuwenig miteinbezogen, ich fühle unsere Gesellschaft als zwangsheterosexuell, meine Lebensform kommt zuwenig darin vor. Es bessert sich zwar hierzulande allmählich, allerdings hier erst neuerdings, es gibt Fernsehserien, Bücher, Filme, Theaterstücke, Beratungsstellen, das alles ist erkämpft worden. Allein dadurch, dass Frauen und Männer Liebesformen unabhängig von Geschlechtszugehörigkeit öffentlich gemacht haben, dadurch, dass sie es offen gezeigt haben, weil sie Hand in Hand gegangen sind, so hat sich der allgemeine Blickwinkel erweitert. Doch hierzulande: Noch kürzlich hat mir eine junge Frau aus MV erzählt, wenn sie sich in ihrem kleinen Dorf outen würde, dann könne sie sich gleich die Kugel geben. Es ist nicht überall durchgesetzt, unsere Lebensweise nicht als krankhaft und abartig zu betrachten. Man toleriert uns mit Zähneknirschen."
Gaby M.
" Ich habe mich im Alter von 12 Jahren erstmalig in ein Mädchen verliebt. Davor kannte ich nur Freundschaft und habe mir Liebe, wovon alle sprachen, nicht vorstellen können. Ich habe mich dann sehr erschreckt, als ich es an mir bemerkte und verborgen gehalten, nicht nur der Umwelt, auch dem betreffenden Mädchen gegenüber, die meine Freundin wurde. Ich habe Schuldgefühle bekommen, aber auch, weil jede Liebe sich schön anfühlt: Glücksgefühle. Die Glücksgefühle haben mir schon damals etwas gesagt, nämlich, dass es nicht falsch oder unnormal sein kann, wenn man so etwas Schönes fühlt."
Brigitte Z.
" Ich bin erst zufrieden, wenn wir mit Freude und Wohlwollen betrachtet werden, wenn man keine Angst vor uns hat und glaubt, man "stecke" sich an uns an, wenn man keine Hemmungen hat, auch uns nach unserem Liebeskummer oder unserer Liebsten zu fragen. In einer fernen Zukunft, davon bin ich überzeugt, sind alle Menschen offen für die Verschiedenartigkeiten aller, dann kommt es auf den Menschen an, das würde ich gut finden."
Sabine B.
" Ich möchte nicht als "anders" angesehen werden, möchte so akzeptiert werden, wie ich mich im Laufe meines Lebens entwickelt habe, möchte, dass man meine Entscheidungen akzeptiert und respektiert, möchte, dass ich frei mit meiner Liebsten laufen und mich bewegen kann, möchte, dass Zwangsheterosexualität nicht den Alltag meiner Kinder und Freunde prägt, möchte, dass lesbisch und schwul keine Schulhofschimpfworte mehr sind, möchte, dass sich keine lesbische Frau und kein homosexueller Mann mehr vor Nazis fürchten muss und von Spießergewalt und Diskriminierung betroffen ist."
Katja G.