Warum ein Frauenladen?
Warum müssen sich Frauen selbst organisieren?

Frauen müssen sich selbst organisieren, weil sie eine benachteiligte Gruppe darstellen. Obwohl sie die eine Hälfte der Menschheit darstellen, in der sie im übrigen eine nicht unwichtige Funktion ausüben, sind sie weltweit noch immer in großem Maßstab benachteiligt, Die Benachteiligungen ziehen sich durch alle Länder, Staaten und Erdteile, sie betreffen alle gesellschaftlichen Bereiche.

Da noch niemals eine benachteiligte Gruppe von anderen dauerhaft befreit wurde, müssen sie es selbst in die Hände nehmen. Schon gar nicht hat man je gesehen, dass benachteiligte Gruppen von denen befreit wurden, die Vorteile aus der Benachteiligung ziehen.

Das ist der Grund, warum sich Frauen begonnen haben, unabhängig von ihren Männern und ohne sie zu organisieren. Sie tun dies so, wie es jeder anderen benachteiligten Gruppe auch zusteht, sich eigenständig zusammenzuschließen.

Dass es beiden Geschlechtern besser geht, wenn Frauenrechte allseits erkämpft sind, ist schon klar, im Kampf dafür müssen die Benachteiligten eine Vorreiterrolle spielen, wer anders soll wohl sonst der Allgemeinheit das Gefühl der spezifischen Benachteiligung vermitteln? Und wer soll die enorme Kraft stringent durchhaltend aufbringen, wenn nicht die Betroffenen selbst? Das hat in der Antike für die Sklaven gegolten, das hat Marx für die Arbeiter im Kapitalismus postuliert, das haben die Schwarzen in Südafrika in der "Self-Conciousness-Bewegung" gezeigt und das gilt für unterdrückte Heimkinder und andere Minderheiten und Problemgruppen. Allerdings brauchen Unterdrückte und Benachteiligte unbedingt Bündnispartner, diese dürfen und sollten sogar aus den priviligierteren Schichten kommen, um so schneller kann man gegen die gemeinsamen Unterdrücker angehen.

Gegenüber einer Frau ist ein Mann in unserer Gesellschaft priviligiert, dass ist allseits bekanntes Allgemeinwissen, dazu brauchen wir nur einmal auf die Straße gehen und auch in Wohnungen kommt es vor. Aus jedem Soziologie-Erstsemester, in dem offizielle Statistiken anzusehen sind, wissen wir es, wer das leugnet, ist nicht informiert.

Bündnispartner können uns Männer in unserem Kampf für Gleichberechtigung sein, aber damit nicht Entscheidungsträger und Bestimmer unserer Politik. Selbst offizielle Pädagogik weiß, dass wo ein Drittel Männer mitmachen, sie schon alles dominieren.

Und woher kommt die Angst vor der Selbstorganisation der Frauen, die doch schon die Antike kannte ( Lysystrata) ? Diese Angst ist ein Zeichen größter Abwehr und damit ein Nichteingeständnis der ungerechten Lebenssituation von Frauen in unserer Gesellschaft.

Heute glauben einige, dass, nur weil es eine Kanzlerin gibt und einige wenige, an den Händen abzuzählende Frauen es in Chefetagen geschafft haben, dass Frauenemanzipation kein Thema mehr sei.

Welche das behauptet, wird gesagt, halte Frauen in der "Opferrolle“ fest. Wir finden, ganz im Gegenteil, sie kommt so da raus!

Frauen sind keine Minderheit, ebenso wenig wie Industriearbeiter, aber sie sind eine Benachteiligtengruppe, sie werden auf der ganzen Welt durch vielerlei Dinge einzig und allein, weil sie ein anderes Geschlecht haben, benachteiligt. Das dient der Aufrechterhaltung von Herrschaft.

Frauenselbstorganisation hat auch nichts mit "Biologismus" zu tun. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wie sie sich allüberall darstellen, werden von uns nicht biologisch, sondern gesellschaftlich erklärt , denn biologische Erklärungen haben meist das verborgene Ziel der Festschreibung von angeblichen Unveränderlichkeiten.

Solange Frauen, die gegen Benachteiligung kämpfen, ihre Selbstorganisation noch immer verteidigen müssen, brauchen wir sie auch noch. Frauen müssen die Hälfte der Menschheit erobern.
Anja Röhl